Borretsch

Borretsch – eine Heilpflanze mit vielen Bräuchen.

Borretsch ist ein Symbol für hohe Qualitäten, die sich hinter Unscheinbarkeit verbergen. Schon der keltische Wortstamm borrach = Mut, sagt viel über die Pflanze aus, die ab dem Mittelalter das Wesen der Jungfrau Maria verkörperte, also die Sanftheit, gepaart mit großer innerer Kraft. Borretsch ist das bekannteste magische Herzkraut. Schon im Altertum sagte Plinius, es mache alle Menschen glücklich und zufrieden. Trinkgläser, die mit kleinen Borretschzweigen verziert sind, sichern den Erfolg eines Abends mit Gästen und sind uralter Brauch. Borretschzweige in den Schultaschen der Kinder bewirken besseren Schulerfolg. Die Elfen der Pflanze sollen dem in Melancholie und Schwermut versunkenen menschlichen Gemüt Kraft geben. Einem durch Fasten und Abstinez sensibilisierten Pflanzensammler wird die besondere Ausstrahlung der Pflanze auffallen.

Borretsch – seine Identität.

Der Borretsch auch Brunelle, Halskraut oder auch Gottheil genannt gehört zur Familie der Lippenblütengewächse (Lamiaceae) und erreicht eine Wuchshöhe bis zu 80 cm und mag einen feuchten Lehmboden im Halbschatten der Sonne. Der fleischige Stängel der Pflanze wächst aufrecht und ist behaart. Die unteren Blätter der Pflanze sind gestielt und die oberen sind sitzend angeordnet. Die blaue Blütenkrone lässt sich leicht vom Kelch abziehen. Die ausgewilderte Pflanze gibt es bisweilen auf Ödland, ansonsten ist es eine Gartenpflanze.

Borretsch – Ernte und Verwendungsmöglichkeiten.

Die Blätter und Triebspitzen nutze man bisher von April bis August kurz gebraten in Bratlingen als Würze zu Eierspeisen. Die Blüten wurden von Mai bis September in Salat- und Rohkostspeisen serviert. Blätter und Blüten werden in Lagen im Schatten getrocknet und getrennt gelagert. Blüten in Glasgefäßen, Blätter in Papier- oder Stoffsäcken.

Borretsch – seine Wirkung als Heilpflanze.

Ein sehr bekanntes Wild- und Gartenkraut. Es enthält jedoch Alkaloide, die mittlerweile als lebertoxisch eingestuft wurden. Medizinisch verwendet wird heute das Öl aus den Samen. Es weist einen hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren auf, enthält Gerb- und Schleimstoffe und wird innerlich bei Neurodermitis eingesetzt. Außerdem hilft es bei Gelenkerkrankungen, bei Erkältungskrankheiten und bei Erkrankungen der Niere und Blase. Das Kraut enthält Kieselsäure, Schleim- und Gerbstoffe und geringe Mengen Pyrrolizidinalkaloide. Daher wird es heute nicht mehr medizinisch eingesetzt. In der Volksheilkunde verwendete man die Pflanze bei entzündlichen Prozessen in den Venen, bei Erkrankungen der Brust und des Bauchfells.  Außerdem ist Borretsch gut für trockene und empfindliche Haut. Ein starker Aufguss eignet sich als Zugabe zu Feuchtigkeitscremen oder als Gesichtswasser bei trockener Haut.

Borretsch-Weintinktur
1 Teil Blüten werden in 10 Teilen Weißwein fünf Tage lang angesetzt. Man seiht ab und trinkt 2 bis 3 Likörgläschen pro Tag.

Gegen Zahnweh
Kauen Sie frisches Borretsch Kraut (Saft nicht hinunterschlucken, sondern ausspucken).