Blutweiderich

Blutweiderich – seine Geschichte und Bräuche.

Blutweiderich steht in naher Beziehung zu den Sonnwendkulten. Nach einer Sage ist Blutweiderich in dem Kerker, in dem Johannes der Täufer enthauptet wurde, aus dessen Blut entstanden. In manchen Gegenden wurde er als Greinkraut bezeichnet, weil man mit Familienmitgliedern in Streit geriet, wenn man ihn in Haus brachte. Angeblich lebt ein Kobold in der Pflanze. Bei Ochsen hatte er eine gegenteilige Wirkung, denn diese wurden, hängte man ihnen einen Blutweiderichkranz um, willig und zahm. Ein weitverbreitetes Mittel war es, die Pflanze an frische Wunden zu halten bzw. die Wunden mit dem Kraut abzudecken, dann sollte die Blutung aufhören. Mancherorts wurden die Wiederichstängel, nachdem sie in Blut getaucht worden waren, an einem finsteren Ort aufbewahrt, dies sollte das Wiederaufbrechen einer Verletzung verhindern.

Blutweiderich – seine Identität kennenlernen.

Der Blutweiderich auch Blutkraut oder roter Weiderich genannt gehört zur Familie der Wiederichgewächsen (Lythraceae) und ist eine mehrjährige Pflanze, welche eine Wuchshöhe bis zu 150 cm erreichen kann. Die Pflanze besitzt einen aufrechten und kantigen Stängel. Seine Blätter sind länglich geformt und am Stängel paarweise und sitzend angeordnet. Die Blattnerven auf der Blattunterseite sind deutlich hervortretend. Der Blutweiderich hat 6 Blütenkronblättern und 12 Staubblätter und seine Frucht ist eine Kapsel. Man findet ihn an Bachufern, in feuchten Wiesen und Flachmooren.

Blutweiderich – die Ernte und Verwendung.

Die obstartig aromatischen Blüten des Blutwiederichs nutzt man von Ende Juni bis Anfang September ausgekocht zur Herstellung von rötlichen Süßspeisen, indem man den Blütensaft zu Sirup einkocht oder ihn unter Zucker mischt. Die Blüten kann man auch in kleinen Mengen roh essen. Die jungen Triebe und zarten Blätter im April und Mai ergeben eine leckere Salat- und Gemüsebeigabe. Im Mai gesammelte junge Stängel kann man schälen und als Pfannengemüse zubereiten. Später im Jahr wird das Kraut der Pflanze zu hart.

Blutweiderich – eine Heilpflanze ohnegleichen.

Wegen des hohen Gerbstoffgehaltes war die Pflanze zur Ledergerbung hoch begehrt, man kann braunes Haar damit spülen und erreicht hübsche Glanzeffekte. Das getrocknete Kraut wird als Tee arzneilich verwendet und gerne gegen Durchfall eingesetzt. Volksmedizinisch nutzt man es bei entzündlichen Erkrankungen der Magen- und Darmschleimhaut. In der Antike wurde der Blutweiderich sogar bei Ruhr und Typhus verwendet. Äußerlich kann er bei Hämorrhoiden. Ekzemen und zur Wundheilung genutzt werden. Außerdem hat sich sehr früh als Volksheilmittel durchgesetzt und hielt auch in die ersten Lehrbücher über Homöopathie Einzug. Das Kraut hat eine gewisse antibakterielle Wirkung bei Blutungen, Katarrh und Infektionskrankheiten. In der Erfahrungsmedizin ist die Notfall- Anwendung bei starken inneren Blutungen und bei zu starker Menses gebräuchlich, außer dem bei Weißfluss. Auch die Niere profitier vom Tee, egal ob man frisches oder getrocknetes Kraut verwendet. Bei Nasenbluten trinkt man den Tee und Spült mit der Abkochung.

HILDEGARD VON BINGEN:
Der Weiderich hat einen angenehmen Saft, und den schmerzenden Eingeweiden ist dieser wie eine angenehme Salbe. Zerstoße das Kraut und seinen Samen mäßig, und koche das in Wein und Honig, und seihe es durch ein Tuch, und trinke es oft.